Aktuelles zum Pflegestärkungsgesetz

Die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft zeigt es deutlich: In den kommenden Jahren werden immer mehr Menschen immer älter und auch einige auf Pflege angewiesen sein. Zwar sind auch junge Patienten betroffen, doch mit zunehmendem Alter steigt die Bedürftigkeit. Vor allem im Bereich Demenz nehmen jährlich die Erkrankungen zu.

Im Dezember 2014 waren 2,7 Millionen Menschen hierzulande auf Pflege angewiesen. Wer seine Angehörigen zu Hause pflegt, weiß um den enormen Aufwand, den diese Aufgabe erfordert. Nicht minder aufwändig ist die Pflege durch unseren Pflegedienst. Deshalb wurde es höchste Zeit, dass die Rahmenbedingungen für unsere Tätigkeit deutlich verbessert werden.

Pflegestärkungsgesetz I

Mit dem im Januar 2015 in Kraft getretenen Pflegestärkungsgesetz I traten folgende Änderungen in Kraft:

  • es wurden 2,4 Milliarden Euro mehr für ca. 2,7 Millionen Pflegebedürftige bereitgestellt
  • die meisten Leistungsbeträge erhöhten sich um 4 Prozent
  • körperlich beeinträchtigte Pflegebedürftige dürfen jetzt auch Leistungen zur häuslichen Betreuung und Entlastung in der ambulanten Pflege beanspruchen
  • 4.000 statt bisher 2.577 Euro Zuschuss pro Maßnahme für einen altersgerechten Wohnungsumbau
  • der Verbrauch bestimmter Pflegehilfsmittel (Mundschutz, Einmalhandschuhe usw.) wird  mit 40 statt bisher 31 Euro monatlich bezuschusst
  • Tages- und Nachtpflege können neben ambulanten Leistungen (Sach-/Geldleistungen) zusätzlich in vollem Umfang genutzt werden
  • Sachleistungen teilstationärer Tages-/Nacht-/Kurzzeitpflege auch für demenziell erkrankte Personen (bisher „Pflegestufe 0“), ebenfalls Wohngruppenzuschlag
  • flexiblere Nutzung der Kurzzeit- und Verhinderungspflege für Betroffene
  • für zusätzliche Betreuungskräfte in stationären Pflegeeinrichtungen Bereitstellung von 510 Millionen Euro (ermöglicht bis zu 45.000 Betreuungskräfte, 25.000 mehr als bisher)
  • um 0,3 Prozentpunkte höherer Pflegeversicherungsbeitrag
  • etwa 1,2 Milliarden Euro jährlich im Pflegevorsorgefonds bei der Bundesbank stabilisiert langfristig die Beiträge

Am 12. August 2015 beschloss das Bundeskabinett den Entwurf des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes. Dieses hilft bei der Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs in der Praxis und soll am 1. Januar 2016 in Kraft treten. Genau ein Jahr später wird das neue Begutachtungsverfahren sowie die Umstellung der Leistungsbeträge der Pflegeversicherung wirksam.
Die Reform kommt den Bedürftigen und ihren Angehörigen zugute, aber auch unseren Pflegekräften. Nicht nur der tatsächliche Unterstützungsbedarf wird besser analysiert. Die Leistungshöhe ist zukünftig vom Umfang der Unterstützung abhängig, egal, unter welcher körperlichen Einschränkung der Betroffene leidet. Bereits beim altersgerechten Umbau der Dusche oder einer Haushaltshilfe beginnt die Unterstützung – damit deutlich früher als bisher. Pflegende Angehörige sind in Renten- und Arbeitslosenversicherung ebenfalls besser abgesichert.

Pflegestärkungsgesetz II: Neue Begutachtung und fünf Pflegegrade

Die neuen fünf Pflegegrade im Vergleich zu den bisherigen drei Pflegestufen werden den individuellen Voraussetzungen der Betroffenen besser gerecht. In die Einstufung werden zukünftig geistige, körperliche und psychische Einschränkungen einbezogen. Der Grad der Selbstständigkeit wird in sechs Bereichen gemessen und unterschiedlich gewichtet. Daraus ergibt sich eine Gesamtbewertung, die Grundlage für die Einstufung in den Pflegegrad ist. Hier die sechs Faktoren, aus denen sich der Pflegegrad ergibt:

  1.  Mobilität
  2. Kommunikative und kognitive Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung und selbstständiger Umgang  mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Die neuen Eingruppierungen stellen unsere Einrichtung vor ganz neue Aufgaben und Herausforderungen. Durch die Änderung der Pflegeeinstufungen dürfen wir zukünftig deutlich mehr Bedürftige fachkundig versorgen und betreuen.

Aktuelles zum Pflegestärkungsgesetz